1.10.2018 - Weltuntergangsszenarien

„Weltuntergang“: Die apokalyptischen Szenarien der deutschsprachigen Horrorliteratur um 1918

Der Ich-Verlust in der neuen Massengesellschaft, die rapide wachsenden Städte und deren Turbo-Kapitalismus, die Umbrüche im Geschlechterverhältnis und der Sexualität, radikale politische Strömungen und der gewaltsame Untergang der großen Imperien Europas: Das sind die brennenden Probleme zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die die deutschsprachige fantastische Literatur mit großem Erfolg aufgreift: Die „Horror“-Geschichten um machtgeile Millionäre, lüsterne Femme fatales und rassistisch gezeichnete böse Afrikaner und weise Asiaten boomen. Heute ist diese meiste kurzlebige Konsumliteratur weitgehend in Vergessenheit geraten.

Wenn die radikal-völkischen Ideologien von Autoren wie Gustav Meyrink, Karl Hans Strobl, Hanns Heinz Ewers, Franz Spunda, Leo Perutz u.a. die Fantastik bis heute auch literarisch desavouiert haben, liegt hier doch wichtiges dokumentarisches Material vor, das uns ermöglicht, anhand jenes literarischen Irr- oder Anti-Rationalismus einen Einblick in den zeitgenössischen apokalyptischen Diskurs vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg zu gewinnen. Wir freuen uns, dass Dr. Clemens Ruthner vom Trinity College in Dublin uns diesen Einblick gewährt.

Dr. Clemens Ruthner:
Nach Lebensstationen in Österreich, Ungarn, Belgien und Kanada lehrt Clemens Ruthner seit 2008 German and European Studies am Trinity College in Dublin, 2011, 2015 und 2018 auch als Gastprofessor in Sarajevo, Berkeley und Ljubljana. Seine Forschungsschwerpunkte sind die österr. Literatur des 19.-20. Jhs., Identität/Alterität, die späte Habsburger Monarchie sowie Postcolonial Studies, Literatur- und Kulturtheorie. Anfang 2018 erschien im Verlag Francke sein jüngstes Buch Habsburgs Dark Continent: Postkoloniale Lektüren zur imperialen österreichischen Literatur und Kultur im langen 19. Jh.

 

Zeit: 1.Oktober 2018, 19:30Uhr

Ort: Universiteit Antwerpen | Stadscampus, Gebäude R: Eingang über Lange Winkelstraat oder Rodestraat, 2000 Antwerpen; Hörsaal R. 013

Die Veranstaltung ist gratis, wir bitten jedoch um Anmeldung über deutschcafe@uantwerpen.be