Perspektiven (jenseits) des Deutschen

Zum Zusammenhang von Sprache und Gender bzw. Geschlecht ist schon viel Tinte geflossen, nicht zuletzt als Nein-Doch-Ping-Pong in Bezug auf die Frage, ob gegenderter Sprachgebrauch denn überhaupt zu einer gerechteren Welt beitrage. Vor allem im deutschsprachigen Raum dauert die Polemik an und deren (mediale) Diskussion verlässt nur selten eine ideologisch-aufgeregte Ebene. Jedenfalls kommen aber in solchen Debatten relevante Ideen zu Tage, zu denen in den letzten Jahren vermehrt wissenschaftlich fundierte Beiträge geboten werden.

Ein in deutschsprachigen Medien häufig zu lesendes Argument gegen die Verwendung neuer, alternativer Sprachformen wie Genderstern o.Ä. nimmt Bezug auf andere Sprachen: In anderen Sprachräumen finde man sich problemlos ohne neue, alternative Sprachformen wie Zuhörer*in(nen) oder sogar ohne feminisierte Formen wie Zuhörerin(nen) zurecht; diese Art von Sprachgebrauch würde also nicht zu einem gerechteren Sprachgebrauch beitragen. Auf die damit verbundenen Fragen wirft dieser Vortrag ein wissenschaftliches Licht: Warum tauchen die genannten Sprachformen im Deutschen überall und häufig auf? Wenn sie Ausdruck einer (in der Regel links-progressiven) ideologischen Einstellung sind, unterscheiden sich dann die ideologischen Standpunkte deutschsprachiger Menschen von denen der niederländischsprachigen? Oder gibt es andere Gründe dafür, dass im Deutschen rigoroser moviert – z.B. Zuhörerin; sogar Mitgliederin – oder gegendert  – z.B. Zuhörer*in(nen); sogar Mitglieder*in(nen) – wird?


Natalie Verelst arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dortmund, am Lehrstuhl für Variationslinguistik. Bis 2024 studierte und arbeitete sie in Berlin, wo sie an der Freien Universität im Fach Sprachwissenschaft zum Thema Movierung (Feminisierung von Personenbezeichnungen) im Deutschen und Niederländischen promovierte. Ihre Forschungsinteressen drehen sich vor allem um Morphologie und (diachrone) Variation, Sprachvergleich und Genderlinguistik.

Ort: Universität Antwerpen Stadtcampus, Raum S.R.118

Zeit: 19:00 Uhr